Die Geschichte der Stadt Ortelsburg

Ortelsburg

Ein Beitrag zur Geschichte der Stadt und des Kreises Ortelsburg vor dem Weltkriege und während der ersten beiden Kriegsjahre.

Vor einhundert Jahren am 23. März 1880 wurde der letzte Landdrat unseres Heimatkreises Dr. Viktor von Poser und Groß-Naedlitz geboren.

Am 1. November 1914, damals 35jährig, erhielt er vom preußischen Innenminister die Bestallung zum Landrat des Kreises Ortelsburg.

Seinen ihm anvertrauten Kreis fand er in einem von den Russen völlig verwüsteten Zustand vor. Die Kreisstadt und eine Anzahl Dörfer waren durch Feuer und Beschuß zerstört und ausgeplündert.

Als der Feind abgedrängt wurde, empfing Landrat von Poser hohe, ja sogar höchste Besuche, die sich Einblick über den Umfang der Kriegsverwüstungen verschaffen wollten.

Mit sehr geschickter Hand hat er die Aufräumungsarbeiten eingeleitet und vor allem die Versorgung der durch den Russeneinfall in große Not geratenen Bevölkerung sichergestellt.

Gleich am Anfang seiner landrätlichen Laufbahn mußte der junge von Poser eine der allerschwersten Etappen seiner Verwaltungszeit bestehen. Unter der Bevölkerung kursierte das Gerücht: Es ist ja nur ein für die Dauer des Krieges abgestellter Landrat, denn er steht noch vor einer höheren Karriere, worauf er in einer Gemeindeversammlung in Gr. Jerutten im Winter 1914/15 versicherte: Er bleibt Landrat in Ortelsburg!

Schon im Frühjahr 1915 wurde der Wiederaufbau eingeleitet. Landrat von Poser schrieb dieses kleine Buch, das Sie nun in der Hand haben:

Ortelsburg 1916 (Verlag Zedler)

Es ist ein Kleinod, das in jede Ortelsburger Familie gehört! Das Kriegsende 1918 brachte große Veränderungen und wirtschaftliche Verschlechterungen.

Dank seiner politischen und vor allem menschlichen Ausgewogenheit konnte er diese Erschütterung überstehen und die Arbeit zum Wohle unseres Kreises fortsetzen.

Es haben sich ihm unvorhergesehene Aufgaben aufgezwungen. Zunächst mußten die freigelassenen Kriegsgefangenen (fast ausschließlich Russen) abtransportiert werden. Dazu wurde eine Menge Leiterwagen bereitgestellt, die sie an die neuentstandene polnische Grenze beförderten. In umgekehrter Richtung kamen deutsche Flüchtlinge aus Wolhynien und bald auch Optanten aus den abgetretenen Gebieten.

Das waren außergewöhnliche Belastungen, die ein junger Landrat eines Grenzkreises mit vielen Nachteilen bewältigen mußte.

Es folgte die Volksabstimmung 1920 und kurz darauf der Übertritt der "Roten Armee" nach dem Verlust der Schlacht im Weichselbogen gegen die Polen in unser Kreisgebiet.

Große Erschwernisse brachte die galoppierende Inflation und die Umstellung der Währung auf Rentenmark.

Nun konnte er sich seinen landrätlichen Aufgaben widmen. Langsam bahnte sich ein wirtschaftlicher Aufstieg an, doch der Versailler Vertrag brachte neue, unübersehbare Probleme ins Land: Gebietsverluste, die sich besonders im Osten des Reiches gravierend auswirkten, im Westen die Besetzung des Rhein- und Ruhrgebiets (Ruhrblockade). Um die Hungersnot im Westen zu bannen, wurde das Ruhropfer in Form einer Roggenspende als Umlage eingeführt.

Hier stellt sich dem Leser die Frage: "Wie konnte das alles bewältigt werden?"

Draußen in den Gemeinden wirkten im Einklang mit ihrem Landrat die Bürgermeister (damals Gemeindevorsteher genannt) und Amtsvorsteher in den Amtsbezirken. Dann gab es noch die "Mädchen für alles", damit meinte man die Gendarmen. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis die Nachwirkungen des verlorenen Krieges überwunden werden konnten.

Während die Nachbarlandräte Gotheiner-Johannisburg und von Mirbach-Neidenburg politische Ambitionen hegten und sich für den Reichstag bzw. Landtag als Abgeordnete wählen ließen, blieb v. Poser Landrat seiner ihm anvertrauten Menschen. Eine besonders kritische Epoche jener Zeit waren die politischen Unruhen und der totale wirtschaftliche Zusammenburch um 1930.

Mit großer Klugheit und Vorsicht gelang es ihm, sich aus jedem Parteienhader herauszuhalten. Beherzte Männer bewahrten ihn vor einem Sturz nach der Machtübernahme. Bald erkannten die politischen Machthaber, daß man einen so fähigen Verwaltungsfachmann mit so vielen Ideen und starkem Tatendrang durch einen hochdekorierten Parteigenossen nicht ersetzen konnte.

Mit dieser knappen Skizzierung habe ich versucht, die Ära von Poser aus der Sicht und Kenntnis eines älteren Ortelsburger Kreisangehörigen zu dokumentieren.

Eines steht fest, es war eine schwere und bewegte Zeit, für die unser Landrat Viktor von Poser und Groß-Naedlitz zum Wohle seiner ihm anvertrauten Menschen stets sein ganzes Können mit Herz, Leib und Seele eingesetzt hat! Sein Wirken fand den Niederschlag in ausgebauten Straßen, wasserregulierten Kulturflächen, Forstkulturen, Schulbauten, Gemeindeanlagen, ja, es waren 30 Jahre eines Menschen mit Idee und Tat, die das Gesicht unseres Heimatkreises geprägt haben.

Mit einem Inferno wurde auch diesem edlen Werk ein Untergang bereitet.

Doch uns geblieben ist sein Geist. Als Mahnung, Auftrag und Verpflichtung, aber auch als Richtschnur unseres Handelns, er darf nicht in unseren Gräbern untergehen, er soll als Vermächtnis an unsere Enkel weitergegeben werden.


Vorwort zur 2. Auflage

Aus Anlaß des hundertjährigen Geburtstages des Landrats von Poser hat sich die Kreisgemeinschaft Ortelsburg – in der Landsmannschaft Ostpreußen – zu dieser Neuauflage entschlossen. Damit soll Wirken und Werk einer außergewöhnlichen Persönlichkeit für die Nachwelt erhalten werden. Wir sind überzeugt, daß diese Nachfolge einen breiten Leserkreis findet.

Patenstadt Herne, im Januar 1980   Gustav Heybowitz Kreisvertreter


Vorwort zur 3. Auflage

Als berufener Zeuge jenes Niedergangs unserer Heimat hat der damals junge Landrat Dr. Viktor v. Poser – Groß Naedlitz – 1916 dieses bescheidene Buch herausgebracht und damit der Nachwelt die Geschichte einer tragischen Epoche sichergestellt.

Mit dem Nachdruck dieses Buches, das im Jahre 1980 erschienen war, sollte aus Anlaß seines 100. Geburtstages an den Verfasser erinnert werden.

Das Buch fand viele Liebhaber, nicht nur unter unseren Ortelsburger Landsleuten und Freunden Ortelsburgs, sondern darüber hinaus unter den Verehrern des Herausgebers. Da es seit längerer Zeit vergriffen ist, wurde eine 3. Auflage in den Druck gegeben. Mit dieser Ausgabe wird an die 30jährige Wiederkehr des Todestages des Verfassers gedacht.

Patenstadt Herne, im Oktober 1987   Gustav Heybowitz Kreisvertreter


Inhalt.

Ortelsburg, ein Beitrag zur Geschichte der Stadt und des Kreises vor dem 1. Weltkrieg und während der beiden ersten Kriegsjahre   Nachdruck von 1916   3,- €uro

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