Teilnehmer der Gedenkkreuzeinsegnung

Enthüllung der Gedenktafel

Text der Gedenktafel

Gedenkkreuz
Edelfried Baginski und Ilse Masuch

Gedenkkreuz auf dem evangelischen Friedhof in Ortelsburg eingesegnet

So viele Besucher dürfte der alte evangelische Friedhof in Ortelsburg seit langer Zeit nicht gesehen haben, das letze Mal wahrscheinlich vor über 65 Jahren. Entsprechend bedeutend war der Anlass: Die Kreisgemeinschaft Ortelsburg hat ein gut sichtbares Gedenkkreuz aus Stahl aufstellen lassen, das auf einem Betonsockel mit einer Schrifttafel befestigt ist, welche die Inschrift trägt: "Den Toten von Stadt und Kreis Szczytno/Ortelsburg zum Gedenken. Errichtet von der Kreisgemeinschaft Ortelsburg im Jahre 2010."

Zwar hatte es bis zuletzt ein Ringen um die Inschrift zwischen Stadtverwaltung und Kreisgemeinschaft gegeben, schließlich war sie jedoch konsensfähig, und die Feier konnte beginnen: Das Kreuz wurde am 21. Juli im Rahmen einer ökumenischen Feier eingesegnet. Dazu waren zahlreiche Gäste aus der Bundesrepublik Deutschland, aber auch aus dem europäischen Ausland und Kanada angereist.

Die Predigt hielt Pfarrer Prof. Dr. Alfred Tschirschnitz, der an einen Text aus der Offenbarung des Johannes (Kapitel 14, Vers 13) anknüpfte: "Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an." Seine Exegese: "Langsam erlöschen alle unsere Lichter, eines nach dem anderen, aber der Tod ist in der Lage, nur das auszulöschen, was Gott ihm erlaubt. Der Mensch besitzt ein Licht, das auch der Sturm des Todes nicht zu löschen vermag - und dieses Licht ist Jesus Christus, in dem alle hier auf dem Friedhof ruhen." Die Einsegnung nahmen Professor Tschirschnitz und seine Glaubensbrüder Domherr André Schmeier aus Allenstein und Pfarrer Lachowicz aus Szczytno vor.

In seiner programmatischen Rede stellte der Kreisvorsitzende Dieter Chilla die Begriffe Erinnerung, Trauer und Versöhnung in den Mittelpunkt seiner Ausführungen und appellierte an die deutschen und polnischen Gäste: "Wir möchten mit Ihnen, verehrte polnische Freunde, einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Lassen Sie uns ein Beispiel sein für gelingende Versöhnung. Gerade diese Region, in der es einst viele verderbliche Konflikte gab, eignet sich in besonderer Weise dazu. Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde … Streit hat seine Zeit gehabt, nun soll Friede seine Zeit haben. Lassen wir nun endgültig die letzten Schatten des Streitens hinter uns! Lassen Sie uns gemeinsam in eine Zukunft deutsch-polnischer Freundschaft gehen, lassen Sie uns ein Beispiel gebendes, leuchtendes Vorbild in Europa werden. Gott schütze uns." In ihrer anschließenden Rede wies Bürgermeisterin Danuta Gorska darauf hin, dass Geschichte nichts Abstraktes sei, sondern immer an konkreten Schicksale gebunden. Wichtig ist auch ihr, dass Deutsche und Polen sich in friedlicher Weise weiterhin annähern.

Diesen Tonfall der Völkerverständigung nahm auch das Grußwort des Oberbürgermeisters Horst Schiereck aus Herne, der Patenstadt der Kreisgemeinschaft Ortelsburg, auf, das durch den stellvertretenden Vorsitzenden Herbert John vorgetragen wurde: "Versöhnung ist ein langer Weg, auch wenn Polen und Deutsche bis heute viele Schritte auf diesem gemeinsamen Weg gegangen sind, scheint er uns an manchen Tagen noch weit. Deshalb sind Momente der gemeinsamen Erinnerung wie die Einsegnung des Gedenkkreuzes sehr wichtig."

Unter den anwesenden Gästen befanden sich sowohl Vertreter der Bekenntnisgeneration wie der Erlebnisgeneration. Über besonders weit zurückliegende Erinnerungen verfügt Edelfried Baginski, der 1928 in Ortelsburg geboren wurde und dort seine Schulzeit und Jugend verbrachte. Der Ehrenvorsitzende der Kreisgemeinschaft, der sie 16 Jahre lang leitete und der sich an vorderster Stelle für das Errichten eines Gedenkkreuzes engagiert hatte, betonte in seinem Schlusswort: "Die Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden, haben zu ihrer Zeit diese Stadt und den Landkreis entwickelt und aufgebaut. Sie haben die Geschichte dieser Stadt gestaltet und sind Teil dieser Geschichte."

Abschließend dankte der Ehrenvorsitzende allen, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen hatten. Bürgermeisterin Danuta Gorska, die den Antrag der Kreisgemeinschaft mit Zustimmung des Stadtrates befürwortend an das Woiwodschaftsamt in Olstyn weitergeleitet hatte, Landrat Stanislaw Matlach für seine Fürsprache und für die verbindenden Worte, die er in einer Urkunde zum Ausdruck brachte, den Geistlichen der verschiedenen Konfessionen, dem Vorsitzenden des Kulturvereins Heimat Edmund Kucinski für seine Moderation, Ilse Masuch für ihre souveränen Übersetzungsleistungen und vor allem den zahlreichen Mitgliedern der deutschen Minderheit für ihren Einsatz, allen voran Helena Samsel und Helga Jurewicz.

Eine ältere Teilnehmerin, die zu diesem Festakt über 1000 Kilometer aus Westdeutschland angereist war, wandte sich an den Kreisvorsitzenden Dieter Chilla: "Endlich haben wir Ortelsburger einen Ort des Gedenkens. Eine Stelle, an der wir uns an unsere Verstorbenen erinnern können, einen Platz für einige Blumen." Im Anschluss daran lud die deutsche Minderheit zu einem umfangreichen Büfett in das Restaurant Zacisze am Großen Haussee ein. Dort wurde dann noch stundenlang geschabbert und plachandert. Deutsch, Polnisch und durcheinander: Ein gelungener Tag.

Ansprache des Vorsitzenden der Kreisgemeinschaft Ortelsburg Dieter Chilla

Predigt des Pfarrers Prof. Dr. Alfred Tschirschnitz

Grußwort des Oberbügermeisters der Stadt Herne Horst Schiereck

Schlußworte des Ehrenvorsitzenden der Kreisgemeinschaft Ortelsburg Edelfried Baginski